Fluglärm durch US-Flugzeuge soll sich verdoppeln
Viele offene Fragen
Es gibt derzeit keine wirklich zuverlässigen Informationen darüber, was der Umzug des US-Hauptquartiers bis 2014 nach Wiesbaden an neuen Belastungen für die Bevölkerung bringen wird. Die derzeit einzig verlässliche Zahl ist, dass die Anzahl der in Wiesbaden stationierten US-Soldaten von derzeit etwa 16.600 auf über 20.000 anwachsen wird. Über die Anzahl künftiger Flugbewegungen, über Flugrouten, Flugzeiten und die Art und Anzahl der dann hier stationierten Flugmaschinen gibt es von allen Seiten her nur sich einander widersprechende oder ständig wieder korrigierte Zahlen. Ein paar Beispiele:
Anzahl der Flugbewegungen
Der derzeitige Army-Sprecher in Heidelberg Bruce Anderson widerspricht in der Frankfurter Rundschau vom 3.3.2011 den vormals von der Sprecherin des US-Hauptquartiers genannten 16.000 Flügen. ” Der Hintergrund für den korrigierenden ‚Rückzug’ der Amerikaner könnte die immer noch gültige Vereinbarung über den Flugbetrieb in Erbenheim zwischen dem Bundesvermögensamt (…) und den US-Streitkräften (…) aus dem Jahre 2002 sein. (…) Danach sind seit dem 1. Januar 2005 maximal 10.000 Flugbewegungen pro Jahr in Erbenheim zulässig. (…) Allerdings deutet auch Oberbürgermeister Müller an, dass mit der Verlagerung des Hauptquartiers nach Wiesbaden die Zahl der Flugbewegungen ‚natürlich auch zu diskutieren ist’. ‚Die Erarbeitung einer neuen Vereinbarung liegt deshalb nahe’, sagte Müller der FR.“
Im Wiesbadener Kurier vom 2.4.2012 schätzt “Oberstleutnant Edwin Brouse, Kommandeur des 1. Bataillons des 214. US-Heeresfliegerregiments, dass durch die Ankunft der Einheit etwa 7.000 Flugbewegungen zu den gegenwärtig 10.000 Flugbewegungen im Jahr auf dem Flugplatz Erbenheim hinzukommen werden. Auch werde es Übungsflüge nachts geben, um die Leistungsnachweise der Piloten auf aktuellem Stand zu halten.
Wieder Hubschrauber in Erbenheim
“Mit dem 214. US-Heeresfliegerregiment, das im Spätsommer von Mannheim nach Wiesbaden verlegt wird, kommen etwa 15 „Black-Hawk“-Hubschrauber des Typs UH-60 auf den Flugplatz Erbenheim.” Wiesbadener Kurier, 2.4.2012
Flugrouten
Über Flugrouten schweigen sich die Vertreter der Airbase aus oder geben Flugrouten an, an die sich offensichtlich nicht gehalten wird. Beispiel dafür ist die Route „Whiskey“, die angeblich dem Rheinverlauf folgen soll, in Wahrheit aber quer über Biebrich und störfallgefährdete Industrieanlagen wie die von Infraserv in Amöneburg geflogen wird. Ähnlich verhält es sich in den östlichen Vororten.
Die Platzrunden für die Hubschrauber-Übungsflüge sollen laut WK vom 2.4.2012 eine Strecke südlich des Flugplatzes Erbenheim „unter ausdrücklicher Vermeidung bewohnter Gebiete“ nutzen.
Betriebs- und Flugzeiten
Am 1.12.2011 teilt Bürgermeister Goßmann in einem Schreiben mit: „Nach der bislang geltenden Liegenschaftsvereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den US-amerikanischen Streitkräften sind die Betriebszeiten des Flugplatzes Erbenheim von Montag bis Freitag 6:30 bis 19:00 Uhr. Hubschrauberflüge sind von 7:00 bis 19:00 Uhr erlaubt.“ Schon am 21.12.2011 erfolgt eine nicht ganz unwichtige Einschränkung durch Bürgermeister Goßmann. In einem Schreiben heißt es nun: „Dieselbe Vereinbarung besagt aber auch: ‚Der Benutzer kann Ausnahmen, auch Trainingsflüge, von diesen Zeiten von Fall zu Fall genehmigen’.“ Auf der website der Airbase (www.wiesbaden.army.mil/sites/about/ GermanInformation.htm) finden sich folgende lapidaren Informationen: „Abgesehen von einigen Ausnahmen für unverzichtbare militärische Aufträge und Fortbildungsmaßnahmen wird der Flugplatz nach den mit dem Gastland vereinbarten Flugzeiten betrieben. Trainingsflüge werden donnerstags nicht nach 22 Uhr und freitags nicht nach 18 Uhr durchgeführt; keine Trainingsflüge am Wochenende und an Feiertagen.“ In einem Brief des Luftwaffenamtes in Köln ist schließlich am 22.2.2012 zu lesen: „Militärischer Flugbetrieb ist 24 Stunden am Tag zulässig. Ein grundsätzliches Nachtflugverbot für militärische Flugplätze existiert nicht.“
So viel ist sicher: die Flugbewegungen werden zunehmen, sich eventuell sogar verdoppeln. Außer den derzeit in Erbenheim stationierten 2-motorigen Propellermaschinen und kleinen Düsenjets werden auch wieder Hubschrauber und größere Maschinen fliegen und, wie es aussieht, zu (fast) allen Tages- und Nachtzeiten.
Im Dezember 2011 erklärt Bürgermeister Goßmann, dass „bezüglich der Neuregelung wegen einer Verlagerung von Fluggeräten (…) in Kürze Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben anstehen, die als Eigentümer des Flugplatzes entsprechende Vereinbarungen mit der US-Army treff en.“ Und auch OB Müller hat den US-Behörden im März vergangenen Jahres Nachbesserungen in Aussicht gestellt (siehe oben). Ob diese Gespräche mittlerweile stattgefunden, wer daran teilgenommen hat und was ihr Ergebnis ist, darüber verfügen wir über keinerlei Information. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zitiert am 18.03.2011 ein Vertreter des Verteidigungsministeriums den US-Oberst Bryan Hilferty, der Leiter der Pressestelle US Army Europa: „Wir verpflichten uns, die Bevölkerung auf dem Laufenden zu halten und neueste Informationen weiterzuleiten, sobald unsere Verhandlungen diesbezüglich mit der Bundesregierung abgeschlossen sind.“ Genau das wäre das Mindeste, was wir uns wünschen.
Am 5. Februar dieses Jahres hat sich deshalb eine Bürgerinitiative gegen Lärm und Gefahren durch US-Maschinen BiLGUS gegründet. In ihr sind Bürgerinnen und Bürger aller betroffenen Stadtteile vertreten.

